Projektideen im Rahmen des Fachtags „REACH out – von Daten über Zielgruppen für die Arbeit in der Grundbildung profitieren“

von Svenja Sokol, Stiftung Lesen

Wie können Grundbildungsangebote in der Konzeption, Organisation und Kommunikation von empirischen Daten über die jeweiligen Zielgruppen profitieren? Dieser Frage widmete sich der Fachtag im Rahmen von REACH, den die Stiftung Lesen am 24. Oktober in Bonn organisierte. Der Fachtag richtete sich an interessierte Akteure aus der Alphabetisierung und Grundbildung.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erarbeiteten im Rahmen eines Workshops ausgehend von Daten (z.B. „Mobilität in Deutschland“ 2017; „VuMa Touchpoints“ 2019) zwei Projektideen:

1. Führerschein (mündlich) machen

Das Poster zeigt die Idee für ein Grundbildungsangebot, bei dem der Führerschein gemacht wird.Die Grundlage für diese Idee lieferten Daten zum Führerscheinbesitz. Personen, die gering gebildet sind und ein geringes Einkommen haben, besitzen im Durchschnitt seltener einen Führerschein als die Gesamtbevölkerung.
Es gibt die Möglichkeit, eine theoretische Führerscheinprüfung auch mündlich zu absolvieren, wenn das Lesen und Schreiben schwerfällt. Hier setzt die Projektidee an, indem potentielle Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Prüfung vorbereitet und nebenbei Lese- und Schreibanlässe eingebaut werden. Auch Aspekte aus der finanziellen Grundbildung rund um das Thema Auto eignen sich hierfür.
Ziel ist es, die Prüfung zu bestehen – egal ob mündlich, oder schriftlich – und dafür zu motivieren, die eigenen Lese- und Schreibfähigkeiten zu verbessern.

2. Das ist mein Kiez

Das Poster zeigt Ideen für Grundbildungsangebote

Bei dieser Projektidee werden gemeinsame Exkursionen unternommen, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr jeweiliges (urbanes) Lebensumfeld, z. B. ein bestimmtes Stadtgebiet, vorstellen. Dabei könnten auch verschiedene Mobilitätsformen getestet und das Smartphone für Navigations- und Auskunftszwecke (Fahrplan, Verspätungen etc.) genutzt werden. Denn Daten zeigen, dass Personen mit geringer Bildung und geringem Einkommen das Smartphone seltener für diese Zwecke verwenden. Ebenfalls wäre eine Art Geocaching denkbar, bei dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Hilfe der Smartphone-Navigation einen Schatz finden und auf dem Weg dorthin verschiedene Lese- und Schreibübungen (z.B. am Fahrkartenautomaten) absolvieren könnten.

Durch das Einbauen verschiedener Lese- und Schreibanlässe können Personen, denen das Lesen und Schreiben schwer fällt, auf die Bedeutung dieser Fähigkeiten für den Alltag aufmerksam gemacht und dafür motiviert werden, Zeit in Grundbildung zu investieren.

Der Fachtag hat gezeigt, dass innerhalb kürzester Zeit und ohne lange Auswertungsprozesse vorliegende Daten dazu genutzt werden können, Ideen für mögliche Projekte zu entwickeln.
Wir würden uns sehr freuen, wenn jemand diese Ideen aufgreift und zum Leben erweckt.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachtages

Fotografin: Bernadett Yehdou, Copyright: Stiftung Lesen

Verfasserin: Svenja Sokol, Stiftung Lesen